Eine Inselwanderung

Im Süden der Insel Rügen, rund um die Orte Putbus, Pastitz, Lauterbach und Wreechen stehen die schönsten, stärksten und ältesten Eichen Rügens. Ganz ohne umweltschädliche und letztlich auch baumschädliche Anreise mit dem Auto, lassen sie sich alleine mit öffentlichen Verkehrsmitteln, auch am Wochenende, erwandern und erleben. Zugegeben, eine längere Wanderung (25 km), die, da auch teilweise Felder betreten werden müssen, am Besten im Herbst oder Winter geplant werden sollte, wenn die Felder betretbar sind. Wegen der Kürze der Tage im Winter im äußersten Nordosten Deutschlands empfehlen sich die Monate Oktober und Februar.



Vom Bahnhof Lauterbach in und durch die Goor

Vom Bahnhof 200m zurück zur Straße, dann nach rechts (Osten) Richtung Goor. Linkerhand ein paar Stieleichen (Quercus robur) (bis 4 m Umfang), rechterhand ein eichenbestandenes Hügelgrab, geradezu die Lindenallee zum alten Badehaus mit einigen älteren Linden (Tilia platyphyllos), ein kleiner "Baum-Aperitif"...

Vor dem Badehaus am Eingang zur Goor standen einst mächtige Eichen, die heute nicht mehr vorhanden sind. Wir halten uns nach rechts "unten" und ein Stück den Uferweg entlang, Boddenluft schnuppern und Wellengang erleben je nach Richtung des Windes. Dann nach links auf die Steilküste, Warnschilder "Absturzgefahr", von Bäumen verspeist,
Schild Steilküste
zwei alte Buchen (Fagus sylvatica), eine von ihnen umgebrochen in einem der vergangenen Stürme.
umgebrochene Buche

Links den Fußweg nach Norden nicht verpassen, linkerhand weitere starke Buchen und hochgewachsene Vogelkirschen (Prunus avium). Ein Stück weiter eine Senke und an deren Nordrand die ersten Starkbuchen (Umfang bis 4m), darunter eine mit auffälliger Rindenstruktur, quasi eine "Wucherbuche".
Wucherbuche
Von hier nach links (Westen) in Richtung Wald-/Feldkante, aus der Ferne mächtige Stämme im Bestand erkannbar, weitere alte Buchen und Stieleichen. Exemplare bis 4,30 m Umfang und als erstes Highlight die stärkste Buche (Umfang 5,15 m) der Goor und ganz Rügens nahe dem Waldrand mit einer dicken Wucherung am walzenförmigen Stamm über dem die mächtige Krone thront.
Dicke Buche Goor
Wie ein gütiger Riese scheint sie den Wanderer wohlwollend zu betrachten, der ihr seinerseits den Respekt zollt, den ihre ca. 250 Jahre unbedingt einfordern. Über 200 Jahre den Westwinden und -stürmen ausgesetzt und nicht gebeugt oder gebrochen, eine reife Leistung und ein beeindruckendes Zeugnis des "Baumeisters" Natur.

Jetzt wird es etwas kompliziert, unser nächstes Ziel, die sogenannte "Wüstungseiche", liegt versteckt und abseits der Wege, hier findet ihr die GPS-Koordinaten und manche Wanderkarte und die topographischen Karten verzeichnen sie auch.
"Und sie lebt immer noch" fiel mir als erstes ein, als ich sie mit einem kleinen Umweg aufgrund meiner Sorglosigleit im Umgang mit meiner Erinnerung und Ortskenntnis dann doch wiederfand. Zuletzt, vor fast genau zehn Jahren, im Sommer 2009, war schon ein Großteil der Krone abgestorben. Nur wenige Zweige im unteren Stammbereich und an den Starkästen der Krone grünten, eigentlich ein sicheres Zeichen für nur noch wenige Jahre Vitalität. Aber, so kann man sich irren, was nicht heißt, dass ihr Leben begrenzt ist, zumal ihr beuliger Stamm inzwischen voller Pilzkörper ist. Es handelt sich um eine Stieleiche und sie ist mit 6,10 m Umfang die stärkste Eiche der Goor.
Wüstungseiche Goor

Nur wenige 100m weiter östlich steht die Schirmeiche, ebenfalls eine Stieleiche. Einst frei und solitär auf einem Feld stehend, im Laufe der Jahre durch Aufforstungen zunehmend "umstellt", zwischenzeitlich stark eingewachsen und verwildert, später wieder gewürdigt und freigestellt. 2009 hatten wir die diese Eiche noch vital erlebt, zwischenzeitlich bereits aber davon erfahren, dass sie komplett abgestorben sein sollte. Leider stimmt das, aber noch steht ihr Stamm, mit der namensgebenden, runden und weit ausladenden Krone. Nicht mehr lange wird man sie so bewundern können, durch zunehmende Starkastausbrüche wird sich ihr Erscheinungsbild weiter stark verändern. Ihre 5,92 m Umfang wird sie wohl nicht mehr erhöhen können.
Schirmeiche Goor

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Von der Goor über´s Land nach Pastitz

Ein längerer Fußmarsch liegt vor uns. Wir verlassen die Goor nach Nordwesten, über einen Wiesenweg geht es nach Vilmitz, mit seiner großen alten Kirche. Kirchhof und Pfarrgarten beherbegen einige interessante Bäume. Hinter dem Ortsausgang geht es leider ein Stück der teilweise stark befahrenen Straße entlang, Entschädigung bietet die prächtige, und in dieser Größe seltene, Hainbuchenallee.
Hainbuchenallee Vilmitz - Lonvitz
Hinter Lonvitz zweigt ein Feldweg nach Nordwesten Richtung in Richtung Pastitz ab. Schöne Eichen und Buchen begleiten uns, kurz vor dem Bahnübergang der Rügenschen Kleinbahn zwei prächtige Hainbuchen linkerhand.
Feldweg Lonvitz - Pastitz
Wenn das Feld östlich des Weges betretbar ist (z.B. abgeerntet) lohnt sich ein Abstecher nördlich der Bahnlinie zum großen Feldgehölz. In ihm verstecken sich alte Hügelgräber und im östlichen Bereich eine beeindruckende Stieleiche mit knorriger Krone und mit immerhin 4,89 m Stammumfang. Links über das Feld grüßt das wieder hergerichtete Gutshaus und wir erreichen das alte Gutsdorf Pastitz.
Hügelgrabeiche

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Die alten Eichen um Pastitz

Vom Dorf lohnt sich (optional) ein Abstecher nach Norden, zur Höhleneiche. Leider muss man den Weg zur Eiche zweimal gehen (hin und zurück). Die solitär auf dem Feld stehende Stieleiche hat vor langer Zeit ihre Krone verloren, der Mitteltrieb ist abgestorben und abgebrochen. Durch die neu gebildete Sekundärkrone bietet der Baum ein bizarres Bild. Trotz dieses Handicaps hat die als Naturdenkmal geschützte Eiche bereits beachtliche 5,89 m Stammumfang erreicht.
Höhleneiche bei Pastitz

Vom nordwestlichen Ortsrand von Pastitz, vor dem Bahnübergang, geht es Richtung Putbus parallel zur Bahn über eine Wiese und dann am Graben-/Feldrand entlang weiter nach Süden zur großen Feldeiche. Bei der Anreise mit der Bahn von Bergen kommend, konnten wir diese Eiche immer sehen, aber aus verschiedenen Gründen seit unserem letzten Besuch 2004 nie mehr erreichen. Was für eine Freude für mich diesen mächtigen Baum jetzt wieder aus nächster Nähe erleben zu dürfen. Allemal ein "Ich-und-der-Baum-Selfie" wert, auch wenn man dabei ganz schön außer Atem kommen kann.
Große Feldeiche Pastitz
Weitere schöne, aber nicht so starke Eichen stehen weiter westlich und südlich, beide sind ebenfalls als Naturdenkmale geschützt. Die wunderschöne Eiche am Fließ als Starkeiche und die Euleneiche. Weiter geht es von hier, erneut über die Gleise der Kleinbahn, an zwei, mit knorrigen alten Eichen bestandenen, Hügelgräbern vorbei nach Putbus.
Zum Abschluss unseres Besuchs der fünf bemerkenswerten alten Eichen um Pastitz noch ein Bild der Starkeiche:
Starkeiche bei Pastitz
Und nicht ohne die prächtige Stieleichenallee von Putbus in RIchtung Lonvitz bewundert zu haben.
Eichenallee Putbus - Lonvitz

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Seltene und alte Gehölze im Schlosspark von Putbus

Am Bahnhof vorbei direkt in den wunderbaren Schlosspark Putbus mit seinen vielen alten und seltenen Bäumen und Sträucher eine dendrologische Fundgrube. Ich möchte mich hier kurz fassen und nur ein paar Bilder zeigen, eine eingehendere Befassung mit dem Baumbestand des Parks füllt einen eigenen Blogeintrag.
Winterlinde im Park Putbus
Mammutbaum im Park PutbusLärche im Park Putbus
Deshalb rasch weiter zu einem der Highlights des Parks, den alten Eichen.

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Die alten Eichen im Schlosspark

Nahe des nordwestlichen Zugangs des Parks stehen sie, fünf Eichenveteranen in einer lockeren Reihe, zwei von Ihnen direkt am Weg, flankieren links und rechts eine Steinbank. Sie werden auch die Tausendjährigen Eichen genannt und waren schon vor über 100 Jahren berühmt und ein beliebtes Ausflugsziel.
Die Tausendjährigen Eichen
Weitere ausführliche Informationen zu ihrer Geschichte findest Du hier. Ebenso Links und Bilder zu den weiteren drei Eichen.
Bekannte und beliebte Ausflugsziele hieß um und nach 1900 auch, dass entsprechende Ansichtskarten gedruckt wurden, die die Bäume zeigen. Diese wurden dann auch als Urlaubsgrüße verschickt und sind heute interessante Sammelobjekte und Quellen zu alten Bäumen. Zu den tausendjährigen Eichen in Putbus existieren eine größere Zahl verschiedene Karten, eine ist stellevertretend hier zu sehen.
Ansichtskarte Tausendjährige Eichen
Von hier ist es nicht mehr weit zur letzten großen alten Eiche, der Winkelmanneiche. Auch wenn die Sonne bereits tief stand, wollte ich diesem besonderen Baum unbedingt noch einen Besuch abstatten.

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Zur Winkelmanneiche und zurück zum Bahnhof Putbus

Nach Südwesten aus dem Park, immer an der Park-/Wald- und Feldkante entlang und einen Fußweg zwischen Schonung und Waldrand und aufpassen nicht vorbeizulaufen und den letzten Schlenker nach links voM Weg ab und durch das Unterholz zur Feldkante. Da steht sie, majestätisch, mächtig, berührend und trotz der Nähe zum Putbuser Park auch ein wenig einsam. Die Winkelmanneiche im gelben Licht der untergehenden Sonne.
Winkelmanneiche
Zuguterletzt, ein Abendspaziergang durch den stillen und leeren park, im letzten Tageslicht, zurück zum Bahnhof Putbus.

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